Ein unbeschriebenes, weißes Blatt Papier. Oder eine völlig unberührte Schneelandschaft, in der keine einzige Fußspur zu sehen ist. So möchte ich mir das neue Jahr, das vor uns liegt, nur zu gerne vorstellen. Schließlich ist es erst wenige Tage alt. Ein schönes Bild, nur stimmt es eben nicht so ganz. Es hat ein paar Kratzer. Denn ein neues Jahr fängt ja nie bei null an. In dieser Welt nicht und leider auch nicht bei mir. Da gibt es einiges, das liegengeblieben ist aus dem alten. Unerledigt. Die vielen Konflikte in der Welt, die nach wie vor ungelöst sind. Ich kann nichts daran ändern, aber sie belasten auch mich. Das berufliche Projekt, das im Moment Pause hat und mich schon bald wieder einholen wird.
Und deshalb will ich dieses neue Jahr mit Gedanken eines Dichters beginnen, der mich schon lange begleitet: Hermann Hesse. In seinem berühmten Gedicht „Stufen“ hat er mal geschrieben: Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / Bereit zum Abschied sein und Neubeginne … Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne / Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Hermann Hesse ist zwar christlich erzogen worden, stand dem christlichen Glauben aber Zeit seines Lebens skeptisch, ja distanziert gegenüber. Ein Mensch, der spirituell gesucht hat, war er dennoch. Sein ganzes Leben lang.
Ich höre seinen Satz aber auch als Christ. Und da heißt er für mich, dass ich immer wieder neu beginnen kann und darf. Dass in jedem neuen Anfang eine Chance liegt und eine Hoffnung. Die Chance, etwas, das mir vielleicht misslungen ist, nochmal neu und anders zu machen. Aus Fehlern, die ich gemacht habe, zu lernen. Und die Hoffnung, dass es mir gelingen kann. Dass ich nicht allein dastehe. Dass es Menschen an meiner Seite gibt, die mich begleiten. Und dass da auch ein Gott ist, der mich stützen und mit seinem Segen begleiten will. Egal, was das Leben bringt. Auch in diesem neuen Jahr.
Wir wünschen Ihnen allen ein gutes Neues Jahr und freuen uns auf viele schöne Begegnungen!